Baustelle Beissapparat

Nun befinde ich mich schon mitten in der Sanierung meines von der Chemo und Bestrahlung lädierten Beissapparats. Durch einen Tipp wurde ich auf eine Zahnarztpraxis aufmerksam, bei der ich jetzt die Grunderneuerung durchführen lassen darf. Ich als alter Zahnarztangshase hatte, trotz meiner Phobie gegenüber allem was mir im Mund rumwurschtelt, den Mut mich dort anzumelden und sogar zu erscheinen.

Der erste Eindruck glättete meine Wogen der Angst, denn ich wurde wirklich sehr nett empfangen und sogleich auch sehr gut umsorgt. Nach der ersten Sitzung, also nach Röntgen und Untersuchung war klar, dass dies nicht in ein oder zwei Sitzungen behoben werden kann. Na gut. Auch da gehen wir noch durch. Cool finde ich, dass an der Decke ein TV hängt wo man während der Behandlung wissenschaftliche Sendungen präsentiert bekommt. Einfach im Modus Stummfilm. Macht nichts, ich hör ja in meinen Lachgasflash sowieso nichts. Muss nur aufpassen dass ich mir danach nicht noch so eine Flasche nach Hause bestelle.. 😀

In der dritten Sitzung war nun ein gröberer Eingriff fällig, mit dem Verdacht, dass eine Wurzelbehandlung gemacht werden muss. Was das wohl wieder heissen mag, aber der Begriff “Wurzelbehandlung” verheisst schon nichts gutes. Klingt eher wie nach einer Therapie geschädigtem Gemüse, die durch den Gärtner ausgeführt wird. Ist es nicht, denn mein Spezialist ist nicht grün sondern weiss angezogen. Er hat auch keine Gartenschere im Gürtel stecken. Zum Glück. Erneuter Dank an den Entdecker des wunderbaren Gases der geistigen Leichtigkeit. Nicht ein einziger Würgereiz .. wow wie cool. Scheinbar eine Stunde lang meinen Schlund so weit offen, dass man da wohl einen Bernhardiner drin verstecken hätte können, musste dieses Werk durchgeführt werden. Eigentlich locker. Die Ironie der Geschichte, im TV wurde eine Doku über Gebisse der Evolution ausgestrahlt. Ich hatte schon den Verdacht, der Meister der weissen Hose, projeziere da mein Gebiss hoch, bis ich bermerkte dass es um ein Beisserchen eines Primaten handelte.

Während dem ganzen Nachhauseweg fühlte ich mich wie nach einem Boxkampf gegen Mike Tyson, der mehrmals auf meine linke Backe gezielt und auch getroffen hat. Noch schlimmer war aber der Versuch, abends etwas grösseres zur Nahrungsaufnahme in meinen Mund zu schieben. No way! Kieferstarre.. Zum Glück gilt meine Leidenschaft nicht der Opernsängerei. Nach mehreren Zerkleinerungen auf Kleinkindportion, der wohl zubereiteten Speise, konnte ich doch noch meinen Hungerast stillen.

Die nächste Behandlung wird in zwei Wochen fällig, wo der hinterste Backenzahn oben dran glauben muss. Wie wohl dort die Öffnung meines Nahrungstors aussehen wird? Ich mag da gar nicht dran denken. Vielleicht passt da ein Pony rein.. Wir werden sehen. Sollte ich danach nach Pferdemist riechen, dann wars drin.

Mein Dank gilt den ausserordentlich freundlichen Mitarbeitern der Praxis Dr. Milani in Muri b. Bern, die sich rührend um Angsthasen wie mich kümmern. Vielen Dank!

Nun kommt die besinnliche Zeit, wo man sich über vieles Gedanken machen sollte. Wofür man ja eigentlich das ganze Jahr Zeit hätte. Ich werde sicher über vieles Sinnieren, denn dieses Jahr veränderte wohl so einiges in mir und um mich herum. Prioritäten ändern sich schlagartig und andere Belange entpuppen sich erst im Nachgang als Bedenkenswert.

So long .. ich wünsche allen die regelmässig hier unterwegs sind um meine Zeilen zu lesen, ein nachdenkliches und glückliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr. Denn so schnell ist man wieder in seinen alten Fussspuren unterwegs, trotz aller guten Vorsätze. Ich wünsche mir für jeden, dass er gesund bleibt und dies wertgeschätzt mit auf seinen Weg nimmt.

😉

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